Meister der Wortakrobatik

WENDLINGEN: Willy Astor setzt fulminanten Schlussakkord beim 28. Zeltspektakel

Von Elke Eberle

Vor 25 Jahren begann Willy Astor, die Bühnen Münchens zu erobern. Etwas später war er schon mutiger und wagte sich ganz weit in den Norden - bis nach Nürnberg. Nach und nach zog er seine Kreise immer weiter. Zum zweiten Mal war der Wortakrobat und exzellente Musiker am Sonntag zu Gast beim Zeltspektakel in Wendlingen. In seinem Jubiläumsprogramm "Tonjuwelen" zeigt das Multitalent viele seiner künstlerischen Facetten. Das Publikum im ausverkauften Zelt feierte ihn und er versprach: "Ihr seid's toll, das werde ich bestimmt bis morgen nicht mehr vergessen."Astor reiste aus Basel an und die Fahrt verlief trotz Autobahn nicht ganz so in einem Ruck wie erwartet. Deshalb startete das Programm mit leichter Verspätung. Das Publikum nahm es gelassen und Astor mit einem Höchstmaß an Professionalität. Im Vorbeifahren hatte er noch die schöne neue Sporthalle entdeckt und kam im Lauf des Abends immer wieder auf den kuriosen Namen zurück: "A Sporthalle 'Im Speck' zu nennen - auf die Idee könnt's auch nur Ihr kommen.""Habt’s Ihr was g'nommen oder gibt's a Wendlingen-Gen, weil ihr so gut drauf seids", wunderte sich Astor ein ums andere Mal. Weit davon entfernt, sein Programm einfach so abzuspulen, musste er sich immer wieder ein Lachen verkneifen. Und gerade diese Momente machten ihn ausgesprochen sympathisch.

 

Selbstbewusst verkündete er, er komme aus der Stadt, die schon 22 Mal Deutscher Fußballmeister gewesen sei, und: "Wir Bayern sind auch noch Papst." Er verriet nicht nur des "Rat-Singers" Lebenshilfe-Tipps, sondern auch noch gleich seine E-Mail-Adresse: "Urbi@orbi." Grandios jenes Stück, in dem er in vier Minuten 120 Filmtitel unterbringt mit Dr. Schiwago als heiratswilliger Hauptperson. Nicht alles ist ganz und gar jugendfrei, da kommt schon mal das Kamasutra ins Spiel, aber fast immer ist alles in den noblen Schleier der Andeutung gehüllt. Den Reim darauf macht sich das Publikum schon selbst.

Jeder Region, in der er war und die ihm wohl gesonnen gewesen sei, habe er ein Lied gewidmet. Die Schwaben seien sehr kritisch und intelligent und er hoffe auf ein positives Feedback: "Denn heut sing i a Ständle für's Ländle." Mit frenetischem Applaus wurde der Song "Wart amol gschwind" denn auch gefeiert. Astor konterte: "Danke, Euch wunderbaren Schwaben."

Als er von den "Kaulquappensocken" sang oder von jenen Damen, die ihre spezielle Dienstleistung nicht mehr anbieten, weil "I han d’Maschin scho butzt" brodelte es im Zelt. Perfekt sang das Publikum die Refrains mit.

Willy Astor gehört zu den Comedians, die das Zeitgeschehen kabarettistisch genau unter die Lupe nehmen, nichts wirkt flach, ausgelutscht oder tausendfach gehört. Seine Spezialität ist es, durch eine leichte Variation in der Betonung oder einen neuen, unerwarteten Kontext die Bedeutung eines Wortes zu verschieben. Akrobatische Höchstleistungen sind diese Wortspielereien ebenso wie seine Gitarrenriffs. Dass er auch leise Töne beherrscht, zeigte er in seiner letzten Zugabe. Komponiert hatte er diese poetisch verträumte Reise zu den Sternen ganz zu Beginn seiner Karriere. Er versprach, bald wiederzukommen - mit einem neuen Programm: "Und ihr müsst's auch alle wieder kommen. Das heute zählt zu den Sternstunden in einer Künstlerkarriere."

Willy Astor staunt über den Namen "Sporthalle Im Speck", verspricht aber, dass er trotzdem wieder kommen will.Foto: Eberle